Der Grasfrosch
Alles über den Grasfrosch, vom Ei über die Kaulquappe bis zum Frosch.

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Biodiversitäts-Kampagne des Bundesumweltministeriums
Dieses Thema ist Teil des Projektes 
Zwischen Gartenteich und Feuchtbiotop
und  war ein Beitrag zur Aktion biologischevielfalt.de. Weitere Beiträge zu der vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit initiierten Öffentlichkeitskampagne 2002 finden Sie im Internet, wenn Sie das Logo anklicken!
Name
Der Name Grasfrosch deutet darauf hin, daß er sich gern in Wiesen und auf Weiden aufhält. 
Weitere deutsche Namen sind: Brauner Grasfrosch oder Stummer Frosch, vermutlich da seine Paarungsrufe gegenüber anderen Fröschen sehr leise sind. 
Märzfrosch wird er genannt, weil er eigentlich nur im März in Tümpeln,  Weihern und Teichen auffällt. 
Den Namen Bachfrosch erhielt er in Gegenden mit vielen Fließgewässern, deren Fließgeschwindigkeit so groß ist, daß sie auch in strengen Wintern nicht zufrieren und somit für die Überwinterung des Grasfrosches besonders gut geeignet sind. 
Grasfrosch - Portrait
 Rana temporaria LINNAEUS 1758


 

Färbung und Geschlechtsunterschiede
Grasfrosch, helle Variante Der Grasfrosch ist ähnlich wie sein naher Verwandter, der Moorfrosch Rana arvalis, sehr variabel gefärbt. 
Rücken und Kopf können einfarbig grau, graugrün, graubraun, rotbraun bis ocker und hellgrau gefärbt sein.
Die helleren Varianten haben dann meistens zusätzlich eine mehr oder weniger ausgeprägte braune bis schwarze, sehr unregelmäßige Fleckenzeichnung. 
Kehle und Bauch sind immer heller, meist weißlich, aber auch gelblich bis orange.
Die Weibchen sind für gewöhnlich größer als die Männchen. Im Frühjahr zur Laichzeit (in der Regel im März und April) haben sie kleine Höcker auf den Ober- und Unterschenkeln, den Seiten und am hinteren Rückenteil. Die Bauchseite ist häufig gelblich mit einem bräunlichen oder rötlichen Netzmuster. 
Die Kehlen der Männchen sind manchmal während der Paarungszeit bläulich gefärbt.
Drei Grasfrösche

 
Vorkommen und Lebensraum
Der Grasfrosch kommt im ganzen nördlichen Mitteleuropa einschließlich Skandinavien bis zum Nordkap vor. Seine Art ist noch nicht vom Aussterben gefährdet, wenn auch die Populationen in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen sind. Der Mittelmeerraum ist weitgehend von der Besiedelung ausgeschlossen.
Pärchen beim Laichen Als Laichgewässer werden alle stehenden, aber auch Fließgewässer angenommen. Größe und Tiefe der Gewässer spielen dabei keine Rolle. 
Regelmäßig kann sogar das Ablaichen in kleinsten Goldfischteichen beobachtet werden, wenn auch da, genau wie in den meisten Fischzuchtteichen die Kaulquappen keinerlei Entwicklungschancen haben. 
Abgelaicht wird in Flachwasser- oder stark verkrauteten Zonen, die sich gegenüber den Freiwasserzonen stärker erwärmen.
Laich nach zwei Tagen Ob Grasfrösche ausschließlich nur dasselbe Laichgewässer aufsuchen, in dem sie aufgewachsen sind, ist nicht bewiesen und darf bezweifelt werden. Die Besiedelung eines neu angelegten Teiches wäre dann wohl auch kaum möglich, passiert aber immer wieder, auch wenn es bei manchen, neu angelegten Teichen aus unerklärlichen manchmal mehrere Jahre dauert.

Bild links: Zwei Tage alter Laich von Grasfröschen. 

Zwei Männchen im Laich Nach dem Ablaichen halten sich die Männchen noch einige Zeit im Wasser oder in der Nähe der Laichgewässer auf. Danach bevorzugen sie tagsüber dichte Grasvegetation oder stark verkrautete Wiesen, die bei ihrer Jagd nach Insekten genügend Deckung aber auch Schutz vor Sonneneinstrahlung und Austrocknung bieten. In kühlen Nächten, jedoch auch bei sehr trockenen Wetterperioden suchen sie oftmals wieder die Gewässer auf.


 
 

Überwinterung
Die meisten erwachsenen Grasfrösche überwintern in stehenden oder fließenden Gewässern. Oftmals ist das Laichgewässer gleichzeitig auch das Winterdomizil. Die Tiere halten sich vorwiegend am Teichgrund auf, kommen aber ab und zu zum Luftholen an die Wasseroberfläche. In kleinen Tümpeln und Gartenteichen, in denen submerse (unter Wasser wachsende), sauerstoffspendende Pflanzen fehlen, kann es bei zugefrorener Wasseroberfläche und zu vielen Wintergästen zum Erstickungstod von vielen Tieren kommen. Bevorzugt werden deshalb von den Fröschen Fließgewässer, soweit vorhanden, deren Fließgeschwindigkeit so hoch ist, daß sie nicht zufrieren können. 

Wenn die Wassertemperatur am Teichgrund unter 4°C sinkt, reduzieren die Tiere ihren Stoffwechsel und Herzschlag und fallen in einen Zustand fast völliger Bewegungslosigkeit. Bisher hatte man geglaubt, daß Grasfrösche und Teichfrösche in eine Art Kältestarre fallen, in der sie bis zum Frühjahr verharren. Nach neuen Erkenntnissen ist dem jedoch nicht so. Sobald die Temperaturen über 4°C ansteigen, werden die Tiere wieder aktiv und nehmen Ortswechsel vor.
In der Winterruhe sollten die Frösche jedoch nicht gestört werden. In Zierfischteichen kommt es in etwas strengeren Wintern häufig zu Katastrophen, denn die Tiere werden durch die Fische in ihrer Winterruhe gestört, werden stark aktiv und müssen ersticken, wenn die  Wasseroberfläche zugefroren ist.

In Teichen, in denen Frösche überwintern, sollten genügend Unterwasserpflanzen wachsen, die bei Licht Sauerstoff an das Wasser abgeben. Zusätzlich kann man noch einen Eisfreihalter einsetzen. Günstiger ist es jedoch, wenn man einen kleinen Teil der Wasseroberfläche durch Wasserbewegung
eisfrei hält. Man verwendet hierfür eine kleine Aquarium-Luftpumpe, deren Schlauch ohne Ausströmer in das Wasser, maximal 5 cm tief gehängt wird. Das Wasser darf nicht durchmischt werden, da sonst zu leicht der gesamte Teich einfrieren kann, vor allem wenn er sehr klein ist. 

Jungtiere scheinen für die Überwinterung frostsichere Stellen an Land zu bevorzugen. Es werden feuchte Kellerräume in alten Gebäuden, tiefe Erdlöcher, Gewächshäuser, Bergwerksstollen oder Höhlungen unter Baumwurzeln aufgesucht. Die Jungtiere scheinen dabei nie in einen starreähnlichen Zustand zu verfallen.

In dem relativ strengen Winter 1996/97 mit viele Tage anhaltenden Temperaturen unter -15°C  waren in Norddeutschland viele kleine Gartenteiche bis zum Grund durchgefroren, sodass nahezu alle Grasfrösche darin erstickt sind. 
In meinem, damals frisch angelegten, tiefen Teich (2 m) haben leider nur wenige Tiere überwintert. Sie haben alle überlebt und im März abgelaicht. Gezählt wurden damals nur sechs Frösche und zwei Laichballen. 

1998 waren es dann immerhin schon 16 Exemplare, die drei Laichballen hinterlassen haben, die leider  von eingeflogenen Stadtenten (Kreuzungen von Haus- Stock- und anderen Enten ) vollständig aufgefressen wurden. 

1999 tummelten sich fast dreißig Frösche im flachen Teil des Teiches. Neun, allerdings nicht sehr große Laichballen mit schätzungsweise je 200 bis 600 Eiern waren das Ergebnis. 
Ein Grasfroschweibchen kann je nach Alter und Größe normalerweise bis zu 2500 Eier ablegen. 


 
 
Feinde
Die natürlichen Feinde der erwachsenen und halbwüchsigen Grasfrösche sind Störche, Reiher, manchmal auch Gänse und Enten. In besiedelten Gebieten werden sie auch gern von Katzen gejagt, aber selten gefressen.

Der größte Feind ist der Mensch. In ländlichen Gebieten wurde immer mehr feuchtes und und deshalb ungenutztes Land trocken gelegt und in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt und somit den Fröschen der Lebensraum genommen. In Agrarlandschaften werden durch intensive mechanische Bearbeitung der Böden und Einsatz von Pestiziden die Populationen dezimiert. Fehlende, trockengelegte oder verschmutzte Laichgewässer verhindern die Vermehrung. In vielen großen Fischzuchtteichen wird der Grasfrosch infolge veralteter Ansichten aus völlig unerklärlichen Gründen immer noch als Feind bekämpft. Durch Ablassen der Teiche und Kalkung der Teichböden und des Laiches wird vielerorts versucht die Grasfrösche systematisch auszurotten. 
In Ballungsräumen werden sie oft Opfer des Autoverkehrs, oder fallen in Kellerschächte, in denen sie vertrocknen. Viele verenden auch in Kanalisationen und Kläranlagen. 

Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass von Gartenbeitzern gern gegen Unkraut verwendete Herbizide für Frösche schädlich sind. Das weltweit am meisten genutzte Herbizid Atrazin macht Froschmännchen zu Zwittern. (Die Anwendung ist in Deutschlend bereits seit über 10 Jahren verboten!)
Nach Anwendung der von Monsanto vorgeschriebenen Menge des Herbizids Roundup sterben bis zu 86% aller Frösche, die sich im Trockenen aufhalten. Eine versehentlich ins Wasser gesprühte kleine Mengen von Roundup tötet alle Kaulquappen.

Die kleinen Jungfrösche werden in Gärten oft durch Rasenmäher getötet, sehr viele werden von Amseln gefressen oder an ihre Jungen verfüttert. 
Der Laich und die geschlüpften Kaulquappen haben allerdings noch viel mehr Feinde. Teichmolche hängen sich unter die Laichballen und fressen die Embryos aus den gallertigen Eiern.Posthornschnecke
Auch den Schnecken scheint der Laich zu schmecken. Doch beides hält sich in Grenzen. In Gartenteichen in Vorstadtgebieten können aber Enten noch viel größeren Schaden anrichten. Ein Pärchen kann binnen weniger Minuten in einem kleinen Gartenteich die gesamte Jahresproduktion an Laich samt Gallert auffressen. 
Wenn die Kaulquappen geschlüpft sind warten jede Menge an Libellenlarven, Rückenschwimmern, Wasserkäfern und deren Larven auf die wehrlosen, unbeholfen schwimmenden Kleinen. 
Amseln, die jetzt ihre Jungen aufziehen, picken bequem alle Kaulquappen auf, die sich in der flachen Uferzone aufhalten.

In mit exotischen Zierfischen besetzten kleinen Gartenteichen haben die Kaulquappen überhaupt keine Chancen. Aber auch einheimische Fische, allen voran die beiden Stichlingsarten verhindern radikal in den normalerweise kleinen Gartenteichen jegliche Fortpflanzung. Durch Überdüngung des Wassers durch die Exkremente der Fische und die ständig wachsende Nitratkonzentration werden die Larven abgetötet oder mißgebildet. In sauber aufgeräumten Gartenteichen herrscht oftmals Futtermangel, da sich Kaulquappen nur von kleinen Futterpartikeln, vorzugsweise Algen und Detrtitus ernähren können. 

Trotz dieser massiven Angriffe ist der Grasfrosch, zumindest in Deutschland, die weitverbreitetste Amphibienart und der Fortbestand ist bis jetzt noch nicht gefährdet. Er ist jedoch wie alle einheimischen Lurche geschützt.
In der Schweiz sind die Grasfroschpopulationen von 1994 bis 2008 um 14% zurückgegangen. 
Über den Rückgang in Deutschland ist nichts bekannt.
In der Schweiz wurde bereits der auch für Grasfrösche tödliche Chytridpilz gefunden.


Die neuerliche Behauptung von selbsternannten Libellenspezialisten, dass Kaulquappen die größte Gefahr für Libellenlarven seien, ist der größte Unsinn.

Zwei Männchen

Grasfrosch-Männchen, Lautäußerungen - Videoclip *.avi   .


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