Moosskorpion, Neobisium muscorum
Klasse Spinnentiere (Arachnida), Ordnung Afterskorpione, Pseudoskorpione (Pseudoscorpiones)
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Einer winzigen Spinne sehr ähnlich und mit ihr leicht zu verwechseln ist dieser gerade einmal 
2 mm lang werdende Moosskorpion. Eines sehr geschulten Auges bedarf es, wenn man ihn in seinem natürlichen Lebensraum entdecken will. Dieser hier abgebildete Winzling wurde von meiner Frau an einem milden Januartag am Außenrahmen unserer Terrassentür, wenige Meter vom Teich entfernt entdeckt. 
Alle Aufnahmen wurden selbstverständlich vom leben- den Tier gemacht. Nachdem es sich offensichtlich kein Über- winterungsnest gesponnen hatte, wurde es anschließend in einem Mini-Terrarium mit etwas Erde und viel Moos in einem ungeheizten, aber frostfreien Raum zum Überwintern einquartiert. Einen Winterschlaf scheint es hier allerdings auch nicht zu halten, denn man kann es jeden Tag an einer anderen Stelle im Moos finden.


Lebensraum

Neobisium muscorum liebt Feuchtigkeit und sein Lebensraum ist, wie es auch schon der Name sagt vorwiegend Moos (musc-us, -i, m. = Moos), vor allem, wenn es am immer feuchten Teichrand gedeiht.

Er ist eine von etwa 25 bei uns heimischen Pseudoscorpions-Arten, die durchwegs alle nur wenige Millimeter messen, absolut ungefährlich, aber vermutlich sehr nützlich sind. 
Wie der Ordnungsname Pseudoskorpion schon sagt, handelt es sich dabei nicht um echte Skorpione, die an ihrem zu einem Schwanz verlängertem Hinterkörper mit Giftstachel zu erkennen sind. 

Wie alle Spinnenartigen (Arachnida) hat auch dieser Afterskorpion 8 Beine, und zwei 2 Kiefertaster (Pedipalpen).
In Ruhestellung werden diese,  zu riesigen Scheren umgebildeten Kiefertaster (Pedipalpen) angewinkelt, sodass das Tier fast quadratisch erscheint. 
Obwohl die meisten Afterskorpione mehrere kleine Augen besitzen, sehen sie recht schlecht. Deshalb werden die Scheren beim Laufen weit nach vorn gestreckt, auf und zugeklappt und zum Betasten von Hindernissen genutzt. 

Zusätzlich befihnden sich an den Kiefertastern sehr empfindliche Sinnesborsten mit denen die Tiere selbst einen ganz geringen Luftzug
wahrnehmen können.

Auffällig ist, daß die Tiere bei Gefahr sehr gut rückwärts laufen können und dabei dem Gegner die Scheren entgegen halten. 
Ihre Größe und der flache Körperbau erlaubt ihnen sich auch in sehr schmalen Schlitzen zu verstecken und dann den Eingang mit den Scheren zu versperren.


 
Nahrung

Über die Biologie und Ernährung von freilebenden Afterskorpionen ist nur sehr wenig bekannt.
Der bekannteste und am besten erforschte Afterskorpion ist der oft in Büchern zu findende Bücherskorpion Chelifer cancroides. (Quelle: Urania Tierreich, Wirbellose Tiere1971)

Er wird bis zu 4,5 mm lang und  frisst nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, die Bücher, sondern verhält sich ausgesprochen umweltbewußt,  indem er sich in Häusern vorwiegend von Staubläusen, Blattläusen Spring- schwänzen und Bettwanzen ernährt.
In Bienenstöcken frisst er Wachsmottenraupen und Bienenläuse. Ansonsten sind Flöhe,  Taufliegen, Vollkerfe von Kleinschmetterlingen,  und vermutlich noch eine ganze Reihe anderer Insekten seine Nahrung. 
Beim Fressen wird das Beutetier mit den großen Scheren (Pedipalpen) erfasst und vor die Fresswerkzeuge (Cheliceren) gehalten. Diese reißen die Körperwand auf und injizieren eine Verdauungsflüssigkeit, die das Opfer langsam auflöst. Danach wird der Brei wieder aufgesogen.
Wovon sich der sehr  ähnliche Moosskorpion ernährt, ist nicht genau bekannt, doch dürfte er sich vermutlich ebenfalls von ähnlichen Insekten ernähren, die reichlich in den von ihm bewohnten Moos- polstern vorkommen. 

Fortpflanzung
 




Mindestens so kompliziert wie interessant spielt sich die Fortpflanzung ab, für die sich das Weibchen mit ihren an den Palpenscheren befindlichen Spinndrüsen einen allseitig geschlossenen Brutbehälter webt.

Kurz vor der Eiablage preßt das Weibchen aus seiner Geschlechtsöffnung einen Brutbeutel aus, der mit einem Sekret gefüllt ist. Dann werden je nach Art die 2 bis 40 Eier in diesen Beutel abgelegt. 
Nach der Eiablage produziert der Eierstock des Weibchens große Mengen von Nährflüssigkeit, sodass ihr Hinterleib stark anschwillt. Nach einigen Tagen wird diese Flüssigkeit in den Brutbeutel gepumpt und von den, sich noch im Embryonalstadium befindlichen Jungen gespeichert. 
Nach einem  weiteren Entwicklungsstadium häuten sie sich und nehmen große Mengen von Nahrungsflüssigkeit auf, wodurch sie sich bis zum Vierfachen vergrößern. Erst beim dritten Entwicklungsabschnitt werden alle inneren Organe ausgebildet. 
Nach einer weiteren Häutung verlassen die jungen Pseudoskorpione, die bereits genau so wie die Eltern aussehen,  das Nest. Die gesamte Entwicklung dauert zwischen 3 und 6 Wochen.
Nach zwei weiteren Häutungen sind die Afterskorpione geschlechtsreif. Über ihre Lebensdauer ist nichts genaues bekannt, sie dürfte jedoch mehrere Jahre betragen.

20. April 2003
Der kleine Skorpion, den wir Pünktchen getauft haben, hat sich offensichtlich in seinem Winterquartier wohlgefühlt und drei winzige Käfer gefressen. 
Heute wurde er in die Freiheit am Rande des Teiches entlassen.

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Zu Natur für kleine Forscher