Rote Federlibelle, Platycnemis acutipennis, Sèlys 1841?
Oder nur eine Variante von Pyrrhosoma nymphula, oder eine ganz andere Art?
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Ende April 2004 belagerten leider noch mehr Feldsperlings-Pärchen als in den vergangenen Jahren den Garten und lauerten am Teichrand auf die frisch schlüpfenden Adonislibellen, um sie für ihre Jungen zu ernten. Sie stürzten sich immer wieder zwischen die  noch recht schütteren Seggen und Binsenstengel und flogen jedesmal mit einem libellenähnlichen Insekt davon, oder fingen geschickt im Fluge eine recht unbeholfen aufflatternde, sehr zarte Libelle.
Trotz intensivster Suche mit einem Spektiv konnte ich jedoch keine Adonis-Libelle beim Schlüpfen beobachten noch eine Exuvie finden. 
Erst als sich eines dieser blassen Tiere auf der Brille meiner Frau  niederließ,  zweifelte ich, ob es sich hier um eine Pyrrhosoma nymphula handeln könnte. Die Frühe Adonislibelle besitzt einen wesentlich kräftigeren Hinterleib und ist bereits kurz nach dem Schlüpfen viel kräftiger gefärbt. Eine gewisse Ähnlichkeit war mit der Späten Adonislibelle Ceriagrion tenellum zu erkennen, die jedoch sehr selten ist, ausserdem rote Beine hat und vor allem erst 2 bis 3 Monate später schlüpft
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Laut Angabe von Bellman gibt, oder gab  es bis in die 90-iger Jahre die Rote Federlibelle nicht in Mitteleuropa, sondern vorwiegend  an Fließgewässern im westlichen Mittelmeergebiet. 
Die Rote Federlibelle ist aber angeblich leicht an der orangeroten Färbung des Hinterleibs zu erkennen.
Die Beine, bei der Adonislibelle einfarbig schwarz,  sind bei dieser Libelle, sowie bei Platycnemis acutipennis hell. 
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Der Thorax ist kurz, blaugrün und schwarz.
Die Flügel sind im Verhältnis zum Hinterleib viel kürzer als bei Pyrrhosoma nymphula
Der Kopft ist klein und die Augen sind viel größer als bei der Frühen Adonislibelle und seidenmatt. Sie  stehen seitlich stark ab und sind  auffällig kugelförmig. Sie sind auf der Oberseite braun und auf der Unterseite grün. Ein  scharfer gelber Streifen in etwa der Mitte der Augen trennt die beiden Farben. 
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Sicher kann man das nur behaupten, wenn man auch eine, der sich sehr ähnlich sehenden Libellen schlüpfen sehen würde.
Es ist mir leider nicht gelungen eine Rote Federlibelle beim Schlüpfen zu beobachten, obwohl immer wieder, offensichtlich frisch geschlüpfte Libellen vom Wasser aufstiegen und in den Bäumen verschwanden. Erst als ich eine Stelle, aus der eine Libelle aufgestiegen war, mit dem Spektiv längere Zeit genauer absuchte fand ich eine kleine Exuvie, die von einer Roten Federlibelle, aber auch von einer Frühen Adonilibelle stammen konnte. 
 Eine  riesige Fangmaske im Verhältnis zum Kopf

Drei Tage später konnte ich zwar nicht den Schlüpfvorgang beobachten, doch ich fand eine frisch geschlüpfte Libelle über ihrer Exuvie,  und das bei ausgesprochen schlechtem Wetter.
Da bereits wieder ein Dutzend Sperlinge auf diese Beute warteten, wurde sie mitsamt dem Seggenstengel ins Haus gebracht, wo sie sich sicher bis zur Flugfähigkeit weiter entwickeln und ausfärben konnte. Das Abdomen zeigt bei diesem, jetzt gut ausgefärbten Exemplar doch eine große Ähnlichkeit mit dem eines Weibchens der Frühen Adonislibelle. Aber es gab wieder einige gravierende Unterschiede.
Der Thorax z.B. ist  blaugrün und schwarz, die Beine sind hellgrau.  Ganz besonders auffällig sind wieder die großen, zweifarbigen, aber matten Kugelaugen 
Auffällig ist ebenfalls die sehr starke Behaarung auf dem Thorax und dem Abdomen, wie ich sie so stark bei Pyrrhosoma nymphula noch nicht beobachtet habe
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Beide Augenhüllen der Larve sind vermutlich schon vor dem Schlüpfen der Libelle gerissen, obwohl sie viel größer sind als bei anderen Libellenlarven, bei einem relativ kleinen Kopf.



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